Am 16.03.206 starteten wir zum 9. Mal, um wie jedes Jahr einem „Internationalen Wettkampf“ zu bestreiten. Als Ziel hatten wir in dieser Saison Compiégne auserkoren, 80 km nördlich von Paris. Wie gewohnt ignorierte Kerstin die vereinbarte Treffpunktzeit und trudelte mit unschuldigem Lächeln als letzte ein.
Nachdem der kleine Bus mit Teamschildern unseres neuen Konterfei „Team Berlin Adult“ ausgestattet war, konnte es losgehen. Zuerst fuhr uns Chris. Den Fahrerwechsel 3 Stunden später verschlief ich schon. Von Hannover aus chauffierte uns Marion, so war das Team komplett unter sich und wurde verstärkt durch Uta, die mit Kugelbauch uns dieses Mal nicht als Läuferin sondern als Fan begleitete.
14 Stunden später kamen wir bei Sonnenschein im mittelalterlichen Compiegne an und mit polizeilichem Entgegenkommen und Polly Pocket fanden wir unseren Weg durch die schmalen Gassen zu unserem Hotel. Wir genossen unsere Ankunft erstmal mit einem ausführlichen Picknick in der Hotellobby.
Während die Mannschaft die Stadt erkundete, machten sich Katrin und ich auf den Weg, um per Mietwagen die übrigen Teammitglieder einzusammeln. Dies sollte sich mehr zu einer Odyssee entwickeln. Die zunächst angepeilte Adresse der Mietwagenfirma stellte sich schnell als veraltet heraus. Nachdem wir am Plan im Hotel schnell festgestellt hatte, wo wir hin mussten, waren wir jedoch noch kein bisschen schlauer, wie wir dahin kommen sollten. Also ab zur nächsten Bushaltestelle. Die Pläne brachten nicht die erhoffte Erleuchtung, also stiegen wir einfach in den nächsten Bus und hielten der Busfahrerin die angestrebte Adresse unter die Nase. Sie konnte uns nicht weiterhelfen, fragte aber eine ältere Dame. Innerhalb von 3 Minuten diskutierte der gesamte Bus, wo wir, die kein einziges Wort Französisch verstanden, hin mussten. Es fand sich auch jemand mit der Lösung, der dies der Busfahrerin erklärte, die ihrerseits in gebrochenem Englisch uns zu verstehen gab, wie wir weiterkamen. Also stiegen wir entsprechend den Instruktionen aus, in den nächsten Bus ein und standen erneut vor einem Problem. Zwar hatte man uns gesagt, an welcher Station wir aussteigen sollten, aber wie erkannten wir diese? Im ganzen Bus waren nur Pläne der übrigen Buslinien. Unsere Verzweiflung muss man uns angesehen haben, jedenfalls sprach uns ein junger Mann in Deutsch an, ob er uns vielleicht helfen könnte. Gemeinsam legten wir dann fest, nach wie viel Stationen wir am besten aussteigen sollten. Trotz dieser umfangreichen Hilfen stiegen wir 2 Stationen zu früh aus, so dass wir noch einen Nachmittagsspaziergang einlegen konnten.
Endlich bei Europcar angekommen hätte es eigentlich nur noch eine Sache von Minuten sein müssen, bis wir endlich im Auto und auf dem Weg zum Flughafen sein könnten, um unsere bereits wartenden Mädels einzusammeln. Leider hatten wir uns auch damit verrechnet. Für das Deposit wurden unsere zahlreich mitgebrachten Kreditkarten nicht akzeptiert und wie uns die Schalterfee wenig überrascht eröffnete, sei das ausgerechnet mit deutschen Kreditkarten schon häufiger vorgekommen. Ohne mit der Wimper zu zucken schickte Sie uns die 2 Busstationen, die wir gerade gekommen waren, zurück (zu Fuß – auch wenn jede Menge Autos vor der Tür standen und die 4 Damen nicht gerade ausgelastet waren!), um entsprechend Bargeld abzuholen. Da sich keine von uns beiden im Stande sah in Französisch eine Diskussion vom Zaune zu brechen, fügten wir uns in unser Schicksal.
Nur zwei Stunden später als ursprünglich geplant, machten wir uns auf den Weg zum Charles de Gaulle Flughafen, wo wir ohne weitere Schwierigkeiten Susi und Tini einsammelten. Wir kamen gerade noch pünktlich zum Training zur Eishalle, wo unsere Co-Trainerin Jenny die Truppe bereits auf Trapp brachte. Dafür, dass wir in dieser Saison meistens zu acht statt zu zwölft trainiert hatten, lief das Training erstaunlich gut. Während Marion das Team zum Hotel fuhr, machten sich Susi und ich wieder auf den Weg, diesmal quer durch Paris, um Dana abzuholen. Susis Wunsch, ein bisschen der französischen Landschaft zu sehen, ging prompt in Erfüllung. Beim Schnattern verpassten wir die Autobahnauffahrt und schlängelten uns durch die Dunkelheit der Landstraße.
Nachdem im Hotel das gesamte Team um Mitternacht vollständig war, konnten wir Füsi´s Geburtstag gebürtig mit Kerzen und Kuchen und jeder Menge Süßigkeiten feiern. Sie hat alle Kerzen mit einem Zug ausgepustet – Sport lohnt sich.
Der nächste Tag begann zu früh. Zuerst zur Anmeldung in der Eishalle, die mit Susis Französisch Kenntnissen nicht schneller aber dafür problemlos über die Bühne ging. Nach dem gemeinsamen Frühstück machte sich die Mannschaft zum Wettkampftraining auf. Dieses lief leider nicht mehr so viel versprechend und zu guter letzt kam einer der Wettkampfrichter auf uns zu und eröffnete uns, dass unsere Kür zu viele Elemente enthielte. Immerhin konnten wir uns aussuchen, welche gestrichen wurden, aber das munterte uns nicht wirklich auf. Die italienische Mannschaft hatte leider abgesagt, so dass sich unsere Mitstreiter auf ein englisches Team reduzierten.
Nach einem eher dürftigen Mittag galt es 13 französische Zöpfe in 90 Minuten zu zaubern, um dann Tini, Füsi und Marion zur Auslosung zu fahren. Füsi als unser Geburtstagskind war unsere Glücksfee und zog die Gummibärchendose mit der Nummer 1. Die nächste Überraschung wartete auf uns, als wir das Auto zurückgeben wollten. Obwohl die Schalterfee vom Vortag 17.50 Uhr auf den Unterlagen vermerkt hatte, war das gesamte Gelände verriegelt und verrammelt. Mehrere Versuche scheiterten, dass Auto dort abzugeben. Inzwischen kannte ich die diversen Wege durch die Einbahnstraßen zwischen unserem Hotel und dem Gewerbegebiet mit der Eishalle und der Autostation innerhalb von nur 24 Stunden auswendig. Nach unzähligen Telefonaten und mit Hilfe von Susis Sprachkenntnissen überzeugten wir unsere Rezeptionistin, bei Europcar anzurufen. Zwei weitere Stunden später hatten wir tatsächlich so etwas wie eine Lösung gefunden. Wir stürmten los, um in letzte Minute das Auto in der Nachbarstadt abzugeben. Damit hatten wir zwar noch nicht unsere Barkaution zurück, aber wir waren das Auto los und hatten alle Papiere beieinander.
Der Stress der letzten Stunden machte sich im Trockentraining bemerkbar. Um 21.51 Uhr absolvierten wir unsere Kür. Unsere Trainerin Angela war zwar physisch nicht anwesend, aber fieberte für uns am Telefon mit.
Wir hatten Gelegenheit, unserer Konkurrenz bei ihrer Kür zuzusehen. Neidlos erkannten wir an, dass dieser Mannschaft der erste Platz zukam. Sie strahlten so viel Spaß aus bei dem, was sie auf dem Eis taten, dass wir uns von dieser Entspanntheit ein gutes Stück hätten abschneiden können. Später kamen wir sehr nett ins Gespräch und überreichten ihnen eine unserer Deutschlandflaggen signiert von allen Teammitgliedern als kleinen Gruß. Unseren 2. Platz feierten wir ausgiebig im Hotel.
Damit ging unser Ausflug schon wieder dem Ende entgegen. Am nächsten Morgen blieb noch kurz Zeit, die schöne Altstadt ein wenig zu erkunden und den riesigen Schlosspark und schon ging es wieder Richtung Berlin. Compiégne ist auf jeden Fall eine Reise wert.